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Im Bett mit dem Feind


Titel: Im Bett mit dem Feind
Autor: callisto24
Fandom: 24
Charaktere: Kim, Barry, Mandy, Jack wird erwähnt!
Kategorie: Drama, f/f slash
Thema: nach Season 5, SPOILERWARNUNG!
Word Count: 5164
Rating: R
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....

Da offensichtlich ein bedenklicher Mangel an f/f slash besteht, und ich immer und überall bereit bin für ausgeleichende Gerechtigkeit zu sorgen, war ich so frei Kim und Mandy zu verkuppeln. So wie es scheint ist auch das 24 Fandom recht unbekannt, daher eine kurze Charaktererklärung. Kim ist Jack Bauers, manchmal etwas nervige Tochter und Mandy eine wiederkehrende Figur der Serie, eine Art skrupellose Söldnerin, die ihm hin und wieder das Leben schwer macht. (Allerdings nicht so schwer wie Kim!) Die Darstellerin der Mandy ist regelmäßig in L-Word zu sehen, und da mich das einfach zu sehr verwirrt hat, musste ich die Charaktere etwas mischen, für den eigenen Seelenfrieden!

* * *

“Ich sage ja gar nicht, dass du ihm verzeihen sollst. Dein Ärger und deine Wut sind absolut nachvollziehbar. Du darfst dir jedes Recht zugestehen ihn zu hassen, das ist ein starkes und wichtiges Gefühl.”
“Ach hör doch auf mit diesem Psycho - Kram! Das habe ich jetzt, weiß Gott, oft genug gehört, und wohin hat es mich gebracht?”
Ärgerlich und mehr um sich abzulenken, brach sie ein Stück von dem Weißbrot ab, das geschmackvoll zwischen ihnen auf dem Tisch angerichtet war.
“Es gibt nur noch eines, das du lernen solltest.” Er legte seine Hand auf die Ihre und versuchte sie beruhigend zu tätscheln, doch im Bruchteil einer Sekunde hatte sie sich ihm entzogen.
“Und was sollte das wohl sein,” entgegnete sie schnippisch.
“Lerne dich zu akzeptieren, was dir nicht schwer fallen dürfte, schließlich bist du ein wunder barer Mensch, und ich muss das wissen.”
Barry lächelte selbstsicher, während er sich zurücklehnte und sein Glas Wein umfasste, es schräg gegen das Licht hielt, und den satten roten Glanz des Getränkes betrachtete. Kim verabscheute ihn, wenn er das tat, wenn er sich mit der Aura des weltgewandten Intellektuellen umgab, dessen Manieren und Umgangsformen perfekt waren, und neben dem sie sich wie ein Trampel vorkam, zu jung, zu unsicher, um in diesem Umfeld bestehen zu können, ohne abschätzige Blicke auf sich zu ziehen.
Wieder einmal war es nach seinem Willen gegangen, hatten sie sich , besser gesagt, hatte er sich für ein elegantes, französisches Restaurant entschieden, obwohl ihr, wie er sehr wohl wusste, ein nettes kleines italienisches Lokal, mit karierten Tischdecken und tropfenden Kerzen erheblich lieber gewesen wäre. Unerschütterlich fuhr er in seinem Monolog fort.
“Akzeptanz ist das Schlüsselwort. Sieh ihn als den Menschen, der er ist, und dann lass los. Nur so werdet ihr beide euren Frieden finden.”
“Ich kann das nicht mehr ertragen,” riss Kim schließlich der Geduldsfaden. Etwas zu abrupt sprang sie auf, ihre Limonade kippelte einen Moment, bevor das Glas umstürzte und die orange Flüssigkeit sich über die Tischdecke ergoss. Auch eine ihrer Vorlieben, die Barry stets bemüht war, ihr abzugewöhnen. ‘Erwachsene trinken nun mal nichts Süßes. Der Mensch muss sich weiterentwickeln’ waren beliebte Äußerungen von ihm, wenn die Wahl der Getränke zur Sprache kam. Aber das hatte sich nun wohl fürs erste erledigt.
Wütend, nicht zuletzt auf sich selbst, weil sie es, wie so oft in letzter Zeit, nicht verhindern konnte, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen, wirbelte sie herum und versuchte sich einen Weg zwischen den Tischen zu bahnen, ohne noch mehr Unheil anzurichten.
Eine starke Hand umklammerte ihr Gelenk, Barry drehte sie zu sich, so dass sie ihn ansehen musste und zischte leise: “Du brüskierst mich hier. Ich werde das nicht dulden.”
“Ist ja schon gut,” schnappte sie zurück, wand sich geschickt aus seinem Griff. Immerhin wusste sie sich noch zu wehren. Sie würde sich von niemandem anfassen lassen, solange sie nicht dazu bereit war. Erhobenen Hauptes kehrte sie zu ihrem Platz zurück.
Ihr Blick streifte im Vorübergehen die Erscheinung einer jungen Frau, deren ungewöhnlich hell leuchtende Augen einen faszinierenden Kontrast zu der dunklen Haarpracht bildeten, die sie locker hochgesteckt trug.
Den Kellnern war es gelungen, innerhalb dieses Augenblickes die Tischdecken zu wechseln und ihr Gedeck zu ersetzen. Barry rückte ihr den Stuhl zurecht, mühelos wieder in die Rolle des perfekten Gentlemans schlüpfend.
“Sieh mal,” versuchte sie zu erklären. “Ich kann mich mit all dem nicht auseinander setzen, solange ich nicht weiß, wie die Sache ausgehen wird. Wie ich ihn behandelt, dafür, was ich gesagt habe, werde ich mich immer schuldig fühlen, solange bis... .“ Sie zögerte und fuhr fort. “Aber ich kann ihm auch nicht verzeihen, nach den Dingen, die er mir zugemutet hat, die er mir auch jetzt wieder zumutet. Die Ungewissheit ist bei weitem schlimmer, als ihn tot zu glauben. Und dazu kommt noch, dass ich mittlerweile nicht mehr weiß, was ich glauben soll. Vielleicht ist das alles auch nur wieder ein abgekartetes Spiel auf unsere Kosten, ein verrückter Plan, den er im Geheimen ausgeheckt hat, um sich selbst in die größten Schwierigkeiten zu katapultieren.”
Sie lachte bitter, ließ ihre Augen im Raum umher wandern, nur um Barry nicht ansehen zu müssen, der ganz untypisch für ihn, Zurückhaltung zeigte und ihr nicht ins Wort fiel. Im Gegenteil, er schwieg, und sie genoss den Moment der Ruhe, fand sich unerwartet in Blickkontakt mit derselben Frau, die ihr vorhin bereits aufgefallen war. Deren Augen leuchteten in einem nicht genau zu bestimmenden Farbton, einer faszinierenden Mischung aus grün und blau, am ehesten noch mit Türkis zu beschreiben, einem strahlenden Türkis, ähnlich wie... , ja, ähnlich der Augenfarbe ihres Vaters, wenn sie das Licht auf eine ganz bestimmte Art reflektierten.
Verwirrt senkte sie den Kopf, schob, unangenehm berührt, ihr Besteck zur Seite. Konnte sie denn nur noch an Jack denken? Würde er sie immer verfolgen, egal, was sie auch unternahm um ihn loszuwerden? Sie seufzte, spürte diesen Blick auf sich ruhen, diesen Blick, der sie auch quälte, wenn sie ihre Augen geschlossen hielt.
“Madame, Monsieur - s’il vous plait!” Geschickt servierten die Kellner in beinahe parallelen Bewegungen ihre Speisen, vergewisserten sich höflich, ob alles zu ihrer Zufriedenheit verlief und zogen sich dann diskret zurück. Natürlich war das Essen exquisit, Kim merkte, dass sie nun doch Appetit hatte. Es hatte schließlich auch keinen Sinn sich mit Dingen zu quälen, die doch nicht zu ändern waren.

* * *

Noch niemals hatte sie einen schöneren Menschen zu Gesicht bekommen. Der Körper - perfekt in seinen weichen Kurven, die Haare - wie flüssiges Gold, das ihren Rücken hinunterfloss und die Augen ausdrucksstark, voller überströmender Emotionen, spiegelten Wut, Trauer, Unsicherheit, ebenso wie Überheblichkeit, eine Arroganz, die, wie sie wusste, zumeist in erster Linie einen Selbstschutz darstellte. Auch wenn sie nicht wegen ihr hier gewesen wäre, ihre Erscheinung hätte sich überall und zu jeder Zeit in ihre Erinnerungen eingebrannt, den Wunsch in ihr geweckt, sie wieder zu sehen.
Der Mann, der ihr gegenüber saß, war ein Snob, einer von der Sorte, die ihr bereits unzählige Male in ihrem jungen Leben begegnet waren, zu oft, um nicht tief in sich zu wissen, dass, wenngleich sie äußerlich jung erscheinen mochte, ihre Seele doch die einer uralten Frau war, einer Frau, die bereits zu viel gesehen, zu viel erlebt, zu viel getan hatte, auf das niemand stolz sein konnte. Und selbstverständlich kannte sie ihre Wirkung auf andere Menschen, Menschen beiderlei Geschlechts ließen sich von ihr problemlos bezaubern und manipulieren.
Doch nun hatte sie ein neues Ziel im Visier.
Wer diese Frau war, das hatte sie schon Zeit erfahren. Wer sie wirklich war, das würde sie bald herausbekommen.

* * *

“Hey!”
“Hey,” antwortete Kim automatisch und sah von ihrem Buch auf, in das sie sich während der Mittagspause vertieft hatte. Das Wetter war einfach zu schön, um die Zeit in der stickigen Kantine zu verbringen, weshalb sie sich für einen kleinen Ausflug in den Park entschieden hatte, um ein wenig abschalten zu können.
“Kennen wir uns nicht?”
Kim legte ihre Hand über die Augen und versuchte gegen die Sonne zu blinzeln. Irgendetwas schien ihr vertraut.
“Im Restaurant, vor ein paar Tagen. Du warst mit deinem Vater dort.”
Kim verzog den Mund und schüttelte den Kopf. “Das war nicht mein Vater.”
“Ach entschuldige!”
Die junge Frau trat einen Schritt zur Seite, so dass sie im Schatten eines ausladenden Ahorns besser zu sehen war und Kim fiel es mit einem Mal wieder ein. Diese Augen hätte sie unter Millionen wiedererkannt. Ein leichtes Erröten stieg in ihre Wangen und sie versuchte es hastig mit ihrem Buch zu verbergen.
“Hi!” Die andere streckte ihr unkompliziert die Hand entgegen, die Kim zaghaft ergriff und lächelte freundlich. “Ich bin Mandy. Darf ich dann fragen, mit wem du dort warst?”
Kim erinnerte sich an die kleine Vorstellung, die sie geboten hatte, und murmelte verlegen: “Das ist ein kompliziertes Thema!”
Mandy nickte und setzte sich neben sie. “Den Eindruck hatte ich auch, und wenn ich das sagen darf... ,” sie zögerte einen Moment, “... ich habe mich ohnehin gefragt, was eine so hübsche Frau an einem doch erheblich älteren Mann zu finden vermag.”
Kim konnte nicht anders, als in sich hinein zu grinsen. “Barry ist schon in Ordnung. Wir haben nur manchmal... Differenzen.”
“Manchmal soll etwas auch nicht sein.”
Kim blickte überrascht auf. “Das ist sicher richtig.” Sie verstummte, peinlich berührt, und fand sich gefangen im Blick dieser hypnotisierenden Augen, die sich beinahe beschwörend in die Ihren bohrten. Ihr Versuch, sich aus diesem Bann zu befreien, fiel in sich zusammen, als Mandy eine zarte und zugleich kräftige Hand auf die Ihre legte und sich zu ihr neigte.
“Ich würde dich gerne wiedersehen. Sag mir nur wann!”
“Ich weiß nicht,” stammelte Kim. “Warum solltest du das wollen?”
Mandy schwieg einen Moment, dann zwinkerte sie ihr mit einem Mal aufmunternd zu, legte den hübschen Kopf schief, so dass ihre langen, samtenen Haare seitwärts glitten. “Was meinst du, warum?”
Kim fühlte wieder das Blut in ihr Gesicht steigen, und verfluchte sich dafür. Was war nur los mit ihr, kein Mann hatte es jemals geschafft, sie derart in Verlegenheit zu bringen, ganz im Gegenteil. In der Regel war es an ihr, den männlichen Partner regelmäßig in Verwirrung zu stürzen.
Sie schluckte, leckte sich die Lippen und wagte schließlich zu antworten. “Ok, wir könnten bei Gelegenheit etwas trinken gehen, einen Kaffee vielleicht, oder... “.
“Oder etwas Stärkeres,” neckte Mandy sie. “Ich freu mich darauf.”
Damit stand sie auf, ergriff Kims Hand und legte einen Zettel hinein. Rasch beugte sie sich noch einmal zu ihr hinunter, flüsterte in ihr Ohr und küsste zärtlich ihre Wange. Es fühlte sich an, als würde sie von einem Schmetterlingsflügel gestreift werden.
Gedankenverloren starrte Kim auf die in schlanken Buchstaben notierte Telefonnummer, Mandys drei Worte noch in Erinnerung. ‘Ruf mich an!’

“Erzähl mir etwas!” Mandy lag auf der Seite,gestützt auf einen Ellbogen und blickte auf Kim hinab, die sich, ein seliges Lächeln auf den Lippen, auf dem seidigen Laken ausgestreckt hatte.
“Du weißt schon, dass du den süßesten Mund der Welt hast,” fügte sie hinzu und beugte sich über sie, um von der Süße zu kosten.
Kims Röte in den Wangen vertiefte sich, als sie den Kuss leidenschaftlich erwiderte. “Das kommt von dem Dessert,” neckte sie.
“Ich dachte, das Dessert wäre ich gewesen.”
“Du spinnst!” Lachend schubste Kim sie von sich. “Obwohl,” sie legte ihre Stirn in Falten, “obwohl du eigentlich besser schmeckst als jede Schokolade.”
Mandy rieb ihr Gesicht an Kims über die Kissen ausgebreitete Locken. “Komm schon, Dornröschen, erzähle mir etwas über dich. Ich weiß noch viel zu wenig von dir.”
“Da könnte ich mich aber auch beschweren, geheimnisvolle Fremde, oder?” kicherte Kim. “Aber gut, welche tiefen, dunklen Geheimnisse möchtest du denn lüften?”
Mandy überlegte. “Etwas aus deiner Kindheit. Etwas über die kleine Kim. Sicherlich warst du ein Prinzesschen.”
Ein Schatten flog über Kims Gesicht.
“So würde ich es nicht direkt ausdrücken.”
“Was ist?” Mandy wandte sich ihr besorgt zu. “Familienschwierigkeiten?”
Kim zuckte abweisend mit den Schultern. Nun ja, das Übliche. Vater nie zu Hause, ständiges Umziehen... “.
Die andere nickte verständisvoll. “Das ist nicht leicht für ein Kind. Und was tun deine Eltern heute?”
Kim schluckte. “Meine Mutter starb vor ein paar Jahren.”
“Das tut mir leid. Und dein Vater?”
Sie drehte sich um, richtete den leeren Blick auf die kahle Wand. “Das ist nicht so einfach.”
Mandys Hand tastete sich über ihren Rücken, bis sie auf ihrer Schulter liegenblieb, als wollte sie ihr Trost spenden. Vielleicht war es diese Geste, die Kim dazu bewog weiter zu sprechen.
“Nach dem Tod meiner Mutter ist in ihm etwas zerbrochen, in uns beiden. Aber er hat sich die Schuld gegeben, und ich glaube nicht, dass er das jemals vollkommen verwinden wird.”
“Es gibt keinen Riss, der nicht irgendwann wieder geklebt werden könnte. Ich meine, du hast es doch auch geschafft, oder?”
Kim nickte und murmelte leise: “Es war nicht leicht. Und für ihn vielleicht noch schwerer, zumal ich ihm nicht verzeihen konnte, und vermutlich auch nie dazu in der Lage sein werde.”
“Was meinst du damit? War es ein Unfall?”
Kim schüttelte den Kopf, drehte sich ihr wieder zu und streichelte das dunkle Haar, das frei über ihr schwebte.
“Ich kann nicht darüber reden.”
Ein kleines Lächeln zuckte wieder um ihre Mundwinkel. “Weißt du, dass mich deine Augen im ersten Augenblick an seine erinnert haben?”
Mandy grinste. “Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Da gibt es doch diese griechische Sage.”
Kim zog spielerisch an ihren Locken. “Von Ödipus bin ich aber hoffentlich weit entfernt, und außerdem siehst du vollkommen anders aus als er, und deine Augen sind viel heller.”
“Hm.” Mandy setzte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. “Also, für ihn will ich nur hoffen, dass er Ähnlichkeit mit dir hat.”
Kim grinste dankbar und sah sie mit plötzlicher Ernsthaftigkeit an. “Weißt du, dass ich zum ersten Mal seit langem an ihn denken kann, ohne zu verzweifeln?” Sie umschlang Mandys Nacken und zog sie zu sich herunter.
“Das habe ich dir zu verdanken,” flüsterte sie, bevor sich ihre Lippen sehnsüchtig trafen.

* * *

“Du liebe Zeit, wenn wir das nur geahnt hätten,” klagte Kim, während sie erschöpft gegen den Wind ankämpfte.
“Wir haben es gleich geschafft, nur noch ein kleines Stück,” schrie Mandy, um das Tosen der unkontrolliert herumwirbelnden Blätter und Zweige zu übertönen, die gerade in diesem Moment von einer Naturgewalt bewegt wurden, die noch nicht einmal angefangen hatte, ihre Stärke zu demonstrieren.
Die Wolken rasten grau und bedrückend tief über ihren Köpfen hinweg. Der für gewöhnlich so idyllische Wanderweg verbarg sich unter gelben Wolken aus Staub und Sand, die durch die Kraft der Elemente ihre Bodenhaftung verloren hatten.
Kim hustete und verfluchte sich dafür auf die Idee mit dem Wochenendausflug gekommen zu sein. Obwohl, wenn sie ehrlich war, ihre Idee war es eigentlich gar nicht gewesen. Sie hatten nur so lange davon geredet, bis sie davon überzeugt gewesen war, dass eine Wanderung genau das wäre, das ihr noch fehlen würde. Von wegen. Sie versuchte das Gewicht des Rucksackes etwas gleichmäßiger auf ihren Schultern zu verteilen und bemühte sich mit ihrer Freundin Schritt zu halten. Das war definitiv das letzte Mal, dass sie sich freiwillig in die Natur begeben würde. Zu allem Überfluss hatte Mandy ihr geschworen, dass das Wetter halten würde. Mittlerweile bezweifelte Kim, dass sie überhaupt nachgesehen hatte. Ein Sturm wie er sich gerade anbahnte, hätte doch kaum zu übersehen sein dürfen. Sogar ein Stadtpflänzchen wie sie, erkannte, dass es sich um mehr als ein kurzes Sommergewitter handeln musste. Wütend biss sie sich auf die Lippen. Von jetzt an würde sie es sich zweimal überlegen, bevor sie Kalifornien so mir nichts dir nichts verließe.
“Dort ist es,” erklang Mandys Stimme undeutlich durch das mittlerweile beinahe ohrenbetäubende Brausen. “Dort drüben.”
Kim atmete erleichtert auf und versuchte sie einzuholen, nahm doch die Dunkelheit stetig zu, und sie vermeinte, bereits erste Wassertropfen zu erahnen.
“Endlich!” Mandy schloss die Tür der Wanderhütte, deren Schlüssel sie sich vom Verwalter des Nationalparkes besorgt hatte, mit einem triumphierenden Grinsen auf, und zog Kim hinein. Keinen Moment zu früh, denn genau in diesem Augenblick entschied sich der Sturm, mit einem Donnerschlag loszubrechen. Kim fuhr zusammen, suchte Mandys Augen, die ihr in der plötzlich eingetretenen Finsternis, wie ein weit entferntes Funkeln erschienen, frei von Angst, im Gegenteil, beinahe belustigt über das kleine Abenteuer. Einen Moment später stand die Dunkelhaarige bereits hinter ihr, löste ihre Gurte, und half ihr das Gepäck auf dem Boden abzustellen. Kim reckte sich, warf einen besorgten Blick aus dem verriegelten Fenster, an das jetzt mit roher Gewalt der Regen peitschte. “Wenigstens sind wir nicht nass geworden,” entfuhr es ihr. Mandy grinste. “Jetzt sehen wir erst einmal, ob wir hier Licht haben.” Kim nickte skeptisch und blickte überrascht auf, als eine einzelne Glühbirne in der Mitte des Raumes aufflackerte. “Hey, vielleicht haben wir doch noch Glück heute,” meinte sie hoffnungsvoll und nahm ihre Umgebung sorgfältig in Augenschein.
“Ist doch ein hübsches Plätzchen.”
“Das finde ich auch,” stimmte Mandy ihr zu und legte einen Arm um ihre Schultern. “Und manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, immer so zu leben.”
Kim wandte sich ihr zu, wie schon so oft gebannt von dem Blick der Augen, die in einem verborgenen Licht zu strahlen schienen.
“Du meinst... .“
Abrupt wandte sich Mandy ab. “Lassen wir das. Ich wollte eigentlich später mit dir darüber sprechen.”
“Worüber sprechen?” Kim folgte ihr alarmiert. “Irgendetwas stimmt doch hier nicht.” Ihre Beunruhigung nahm zu und sie griff nach Mandys Arm, als suchte sie eine Stütze, wollte sich versichern, dass alles in Ordnung war.
Mandys Blick suchte den Ihren, und zum allerersten Mal glaubte Kim eine leichte Unsicherheit in diesen großen Augen wahrzunehmen. Mandy blinzelte ein wenig, und als sie ihre langen dunklen Wimpern wieder voneinander löste, war dahinter nichts als eine mutwillige Belustigung zu erkennen. “Wir werden sehen,” neckte Mandy, während sie sich von Kim befreite und ihren Rucksack öffnete. “Erst einmal, lass uns zusehen, dass wir diese Nacht trocken und warm überstehen.” Kim konnte nicht anders, als zurückgrinsen, und doch, das Gefühl von etwas Unerwartetem, das unmittelbar bevorzustehen schien, ließ sich nicht mehr abschütteln.
“Es lässt sich nicht leugnen, dass der Sommer sich seinem Ende zuneigt.” Sie lauschte abwesend dem überwältigend machtvollen Rauschen des Regens, der, vereint mit der Kraft des Sturmes ihren Unterschlupf bedrängte und umtoste. Kim war nicht weit davon entfernt, sich zu fühlen wie Dorothy aus dem Zauberer von Oz, bevor ihr Häuschen vom Wind davongetragen wurde.
“Fürchtest du dich?” Mandy zog sie zärtlich an sich. Kim schüttelte den Kopf und lehnte sich an sie. Erstaunt über ihre eigene Reaktion, oder besser gesagt über das Ausbleiben derselben, jeglichen Gefühls von Ärger oder Verletzlichkeit aufgrund dieser Annahme, schmiegte sie sich in die Arme der Freundin, ließ es zu, dass sie ihr Schutz und Sicherheit boten.

Mandy vergrub ihr Gesicht in Kims Haaren und seufzte. Nach allem, das sie erlebt, das sie getan hatte, war sie in zunehmendem Maße verwirrt, über die Gefühle, die diese Frau in ihr auslöste. Und nicht nur das, auch ihr Handeln war beeinflusst von Gedanken und Wünschen, die sie nicht steuern konnte, die ein Eigenleben entwickelten, eine Richtung verfolgten, die sie vor sich selbst noch leugnete. Sogar dieser Ausflug war bis ins kleinste Detail vorbereitet, diente nur zu dem Zweck ihr zwei Wege zu öffnen, zwei Wege, die unterschiedlicher nicht sein konnten, und von denen ihr Herz so klar wie niemals zuvor, nur den einen akzeptierte, einen Weg, den sie niemals zuvor beschritten hatte, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie ihn jemals wählen könnte.
“Ich liebe dich, Kim”, murmelte sie und presste ihre Lippen in die goldenen Locken. “Und egal, was du jemals über mich erfahren solltest, das musst du mir glauben.”

Kim bebte. Sie wusste nicht, ob das Zittern ausgelöst wurde durch den Temperaturabfall, durch die Kälte, die allmählich durch die Ritzen der Hauswand kroch, oder durch Mandys Worte, die eine ungewohnte Ehrlichkeit enthielten, die Ahnung von etwas Bedrückenden, einer Erfahrung, die sie nicht machen wollte.
“Du musst mir nichts sagen, dass du lieber für dich behalten würdest”, versuchte sie das über ihr schwebende Unheil aufzuhalten. “Wirklich, Mandy.” Sie drehte sich um, und verschloss der anderen den Mund mit einem Kuss. “So wie du bist, liebe ich dich, und daran wird nichts etwas ändern.”

Mandy erwiderte dankbar den Kuss. Wie hatte es nur soweit kommen können? Sie konnte sich nicht daran erinnern schon jemals in so einem Gefühlschaos gesteckt zu haben. Eigentlich gab es nichts Einfacheres für sie, als den Verstand die Überhand über alles andere gewinnen zu lassen, und ihre Entscheidungen aufgrund des Selbsterhaltungstriebs zu fällen. Zugegeben, wenn sie mit Männern zu tun hatte, war es in der Regel ohnehin einfacher, aber trotzdem, mit dieser Lage war nichts zu vergleichen, das sie bereits erlebt hatte.
Sie konnte es selbst nicht fassen, dass es erst Anfang diesen Sommers gewesen war, dass man ihr diese Aufgabe gestellt hatte, die Aufgabe sich um Kim Bauer “zu kümmern”, diese Aufgabe, die ihr Leben auf den Kopf gestellt, sie, zumindest innerlich, in ein emotionales Wrack verwandelt hatte. Und nun war sie bereit alles hinzuwerfen, Verbindungen, die ihr unzählige Male das Leben gerettet hatten, zu kappen, und sich einem unabwägbaren Risiko auszusetzen. Und das alles für dieses blonde Geschöpf, das eigentlich nichts von ihr wusste, das sie verabscheuen würde, sollte die Wahrheit ans Licht kommen, und dem sie dennoch nicht widerstehen konnte.

Endlich lösten sie ihre Lippen atemlos voneinander, waren gezwungen Luft zu holen, und ließen sich, immer noch fest umschlungen, auf das zerschlissene Sofa sinken. Der Sturm tobte unvermittelt weiter, und doch fühlte sich Kim ruhiger, selbstsicherer, mit der Erde und dem Boden verhaftet. Sie strich Mandy liebevoll die dunklen Locken aus dem Gesicht, befestigte sie hinter ihren Ohren, an denen sie vorsichtig begann zu knabbern. Mandy schloss die Augen. “Ich hatte ganz vergessen, dass auch ein herbstliches Wetter Vorteile bietet. Es geht doch nichts darüber sich vor einem Unwetter zu verkriechen, sofern man die richtige Gesellschaft hat.”
Kim kicherte leise. “Du bringst mich da auf etwas. Ich habe mir schon immer gedacht, dass es doch einen Grund dafür geben muss, dass die Leute Richtung Norden ziehen.”
Mandy setzte sich mit einem Ruck auf, und starrte sie an. “Du denkst manchmal daran umzuziehen?”
Kim zuckte mit den Schultern. “Wer tut das nicht hin und wieder. Ich meine... ,“ sie zögerte. “Ich liebe Los Angeles, wirklich, aber manchmal denke ich auch, dass ich lange genug dort gelebt habe. Da sind Dinge, an die ich nicht unbedingt ständig erinnert werden möchte.” Sie erwiderte Mandys intensiven Blick. “Das kannst du vermutlich nicht so gut nachempfinden, du scheinst es nie lange an einem Ort auszuhalten, soweit ich dich verstanden habe.”
Mandy senkte den Kopf und nickte, setzte schließlich zögernd hinzu: “Könntest du dir denn so ein Leben vorstellen? Ein Leben voller ständiger Veränderungen, ohne Konstante?”
Kim spürte den Ernst in ihrer Frage, erfasste in Sekundenschnelle die Unsicherheit in ihren Augen und hielt die spontane Antwort, die ihr auf der Zunge gelegen hatte, zurück.
“Das käme wohl auf die Umstände an”, sagte sie schließlich leise. “Es hätte wohl ebenso seine Vorteile, wie auch seine Nachteile. Man müsste sich sicher erheblich umstellen.”
“Aber man könnte Dinge sehen, die sich jemand, der sein Leben in Kalifornien verbracht hat, niemals erträumen würde.”
Kims Blick weitete sich. “Du denkst wirklich daran... “.
Mandy fuhr mit ihren schlanken Fingern zärtlich über Kims Wange, streifte ihr Kinn, bevor sie weitersprach. “Ich würde nichts lieber tun, als dir einen richtigen englischen Herbst zeigen. Es gibt nichts, das diesen Anblick übertreffen kann. Das Licht und die Farben, ich glaube, wenn ich dich einmal dort sehen könnte, sehen könnte wie du von diesem goldenen Schein verzaubert wirst, mit dir durch die Dämmerung gehen könnte und beobachten, wie die Dunkelheit niedersinkt, ich glaube, dann hätte sich alles erfüllt, das ich mir jemals wünschen könnte.”
Sie atmete ruhig aus. “Dann könnte ich beruhigt sterben.”
Kim fuhr zusammen. “Was soll denn das bedeuten. Wovon redest du?”
“Nichts, nichts”, versuchte Mandy rasch abzulenken. “Ich bin nicht krank, wenn du das denkst. Ich habe nur in meinem Beruf hin und wieder mit dem Tod zu tun. Wahrscheinlich ist er mir deshalb stets gegenwärtig.”
“Ich dachte du schreibst,” fragte Kim irritiert.
“Das tue ich.” Mandy wich ihr aus, versuchte sich aus der selbstgestellten Falle zu befreien, überlegte es sich dann doch mit einem Mal anders. Trotz aller Zweifel lag es nicht in ihrer Natur die Dinge auf die lange Bank zu schieben, und diese Gelegenheit mochte so gut sein, wie jede andere.
“Ich habe dir nicht alles darüber erzählt, was ich so tue..., was ich getan habe. Und ich glaube auch nicht, dass ich dir jemals alles darüber erzählen werde. Trotzdem solltest du etwas wissen.”
Eine Pause entstand, in der Mandy vergeblich nach Worten suchte, bis Kim ihr versichernd beide Arme um den filigranen Körper schlang und sie an sich zog. “Was auch immer es ist”, flüsterte sie, “du kannst es sagen.”
Mandy seufzte. “Vielleicht so viel. Ich habe einen Job zu erfüllen, und wenn ich diesen nicht zur Zufriedenheit meiner Auftraggeber erledige, dann werde ich untertauchen müssen. Und das möchte ich nicht allein tun.” Sie richtete ihren Blick auf den Boden, weigerte sich Notiz davon zu nehmen, wie sie Kim erstarren fühlte.
“Ich verstehe kein Wort”, brachte sie hervor, ihre Augen groß und dunkel. “Das hört sich an wie... das hört sich an, als ob... “. Mandy schwieg immer noch, ihre Arme an Kims Rücken gepresst, den Kopf an ihre Brust gelehnt.
“Ich möchte mit dir fortgehen, ich möchte den Winter mit dir verbringen, möchte mich mit dir an den Kamin kuscheln und die Welt mit ihrem Wahnsinn draußen in der Kälte erfrieren lassen.”
“Mandy, ich... “, Kim stammelte, unsicher was das alles zu bedeuten hatte. Mandy hob ihren Kopf und sah sie an. In ihren Augen schimmerten Tränen. “Jetzt sofort, wir könnten von hier aus verschwinden. Sobald der Sturm vorbei ist, hätten wir die Möglichkeit nach Norden weiterzuziehen. Es ist alles vorbereitet, wir müssten nie wieder zurücksehen.”

“Das ist verrückt”, murmelte Kim. “Das kannst du unmöglich ernst meinen.”
“Das meine ich todernst.” Eiseskälte umklammerte Kims Herz, als ihr Blick mit dem der Freundin verschmolz. Diese Entschlossenheit hatte sie schon oft gesehen, schon viel zu oft. Sie war das Resultat langjähriger Erfahrungen und dem Wissen, dass ein kurzes Zögern, ein kleiner Irrtum irreparable Folgen haben konnte. Sie hasste diesen Blick.
“Was soll der Unsinn. Du hörst dich an wie mein Vater.” Ihre Stimme wurde schrill, überschlug sich. Sie spürte Panik in sich aufsteigen.
“Kim!” Mandy hielt sie fest, versuchte sie zu beruhigen, sie an sich zu drücken, aber Kim hatte sich bereits mit einer geschickten Drehung aus ihrem Griff befreit.
Mühsam rang sie nach Atem, spürte Mandys Augen, die sie keinen Moment los ließen, fühlte die angespannte Kälte, die von der Anderen ausging.
Ihr Agententraining setzte ein, sie zog Schlüsse, erahnte Zusammenhänge und weigerte sich doch zu glauben, was sie vor sich sah. “Es war alles eine Lüge, alles geplant!”
“Nein, nein!” Mandy sprang auf, wollte auf sie zugehen, und blieb dann doch vor ihr stehen, die Hände hilflos erhoben, der Blick flehend. “Das zwischen uns ist keine Lüge, war niemals eine gewesen, von Anfang an nicht.”
“Ich wünschte, ich könnte dir glauben”, erwiderte Kim trocken. “Und selbst wenn, was sollte es für einen Unterschied machen?”
“Es macht einen Unterschied. Es ändert alles.” Mandy verschränkte schützend die Arme vor ihrer Brust.
“Ich liebe dich, Kim. Und vollkommen egal wie oder aus welchem Grund wir uns gefunden haben, ich werde alles tun, das in meiner Macht steht, damit es nicht endet.”
“Vielleicht solltest du dann mit der Wahrheit anfangen.” Kims Stimme wurde leise, erschöpft, sie musterte konzentriert den groben Holzboden, lauschte auf den Regen, der mittlerweise in einem gleichmäßigen Rhythmus auf das Dach prasselte.

“Die Wahrheit? Was willst du wissen?” Mandy atmete ruhig. Ihre Stimme klang leise und gefasst, und doch wagte sie es nicht sich Kim zu nähern, die sich in ihr Inneres zurückgezogen hatte, offensichtlich in ihren Gedanken weit entfernt.
“Ich glaube, du weißt es schon, dass wir uns nicht durch Zufall begegnet sind. Du musst es geahnt haben.”
“Also hattest du einen Auftrag, der mich betraf.” Kim lachte bitter auf. “Es ist ja nicht so, als würde mir so etwas zum ersten Mal passieren. Warum wundere ich mich eigentlich noch darüber.”
“Es ist anders. Ich... sie wussten nicht... ,” Mandy stockte. “Ich sollte nur beobachten, nur eingreifen, im Falle... , nur wenn sie es für nötig erachten sollten.”
“Lass mich raten.” Kims Augen verloren den abwesenden Ausdruck, funkelten, fixierten Mandy dunkel und unerbittlich. “Irgendjemand, und mittlerweile kümmert es mich auch nicht mehr, um wen es sich handelt, hielt es für eine großartige Idee, sich ein Druckmittel gegen meinen Vater zu sichern. Ich weiß zwar nicht warum, denn er ist schon wieder spurlos verschwunden, und der Himmel weiß, was mit ihm los ist. Aber da es ja offensichtlich nicht um mich geht, kann es mir letztendlich auch egal sein.” Sie hob ihr Kinn, verschränkte wütend die Arme und schüttelte ihr Haar zurück.
“Es geht um dich, für mich geht es nur um dich”, flüsterte Mandy und trat einen Schritt auf Kim zu, die unmittelbar zurückwich. Mandy ließ ihre Arme sinken, aber wandte den Blick nicht ab.
“Dieser jemand weiß, wo dein Vater ist, eigentlich hat er mit dafür gesorgt, dass er sich an diesem Ort, in dieser Lage befindet. Und nicht nur das. Diese Leute haben Einfluss, mehr als du dir vorstellen kannst. Sie spielen mit uns, als wären wir Marionetten.”
Kim schüttelte den Kopf. “Ich will so etwas gar nicht hören.”
“Aber vielleicht willst du hören, dass Jack mich vor Jahren gestellt hat.”
Kim riss die Augen auf und schloss sie gleich darauf wieder gottergeben. “Natürlich, wie sollte es auch anders sein.”
“Ich würde nicht direkt sagen, dass wir alte Freunde sind, aber wir sind uns über den Weg gelaufen.” Mandy bemühte sich ein aufkeimendes Lächeln zu unterdrücken. “Er wäre sicher nicht erfreut gewesen, wenn er erfahren hätte, mit welch verlockenden Angeboten man sich direkt nach seiner Festnahme an mich gewandt hat.”
“Wer... ,” Kim verstummte, unsicher, ob sie Weiteres erfahren wollte.
“Die Regierung dieses Landes bemüht sich ständig um Flexibilität. Man war schon immer der Meinung dass der Zweck jedes Mittel heiligt, insbesonders wenn es um geheime Einsätze geht. Aber das weißt du ja besser als die meisten.”
“Ich verstehe nur nicht... .“
Mandy sprach ruhig weiter, leise, und doch selbstsicher. “Das Schicksal sehr vieler Leute ist mit dem deines Vaters verknüpft. Die Logan Administration pflegte sehr weitreichende Verbindungen, zahlreiche überaus mächtige Personen fürchteten, durch Jack in der einen oder anderen Weise kompromittiert zu werden.”
“Und was ist mit ihm passiert?” Kim bemerkte, dass ihre Stimme besorgter klang, als sie sich zugestehen wollte.
Mandy zuckte mit den Schultern. “Er wurde erst einmal aus dem Weg geschafft. Nein... .” Sie schüttelte hastig den Kopf, als sie bemerkte, wie Kim zusammenzuckte. “Er lebt, aber... man kümmert sich um ihn. Ich kann dir auch nur sagen, was man mir gesagt hat.”
“Hey!” Endlich wagte sie es, sich der Blonden zu nähern, erhob vorsichtig eine Hand, um sie an der Schulter zu berühren. “Er hat das mit Sicherheit nicht verdient.” Eine Pause entstand, in der nur noch das leise Atmen der beiden Frauen zu hören war.
“Aber du auch nicht!”
Ihre Augen trafen sich, als Kim dieses Mal nicht zurückwich. Ein Schluchzen schüttelte sie, und durch den Wirbel ihrer widerstreitenden Gefühle, bemerkte sie es zu spät, als sich zwei Arme wie von selbst um sie legten, als Mandy sie wieder an sich zog und zärtlich ihren Rücken streichelte, ihre Finger sanft zu ihrem Hals hinauf gleiten ließ, um schließlich genau diese Stelle hinter ihrem Ohr zu liebkosen, an der Kim am empfindlichsten war. Sie versuchte aus dem Strudel, der sie zu verschlingen drohte, aufzutauchen, kämpfte darum die Kontrolle zu behalten. Doch der Kampf schien verloren, als Mandys Mund sich dem Ihren näherte, als ihre Arme sich lockerten, hinab sanken und ihre Knie weich wurden.
“Ich werde niemals zulassen, dass dir jemand weh tut”, hauchte Mandy so leise, dass sie die Worte kaum erahnen konnte, und doch wusste sie, dass es die Wahrheit war, wollte sie mehr als alles andere, dass es die Wahrheit wäre, dass sich ihr vielleicht in diesem Moment eine Möglichkeit böte, ihrem Schicksal zu entfliehen.
Tags: 24fanfiction
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