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24fanfiction

Fanfiction: Washington D.C.


Chase massierte geistesabwesend die Finger seiner linken Hand, eine Angewohnheit, die er im Verlauf der Rehabilitation erworben hatte, und die ihm für gewöhnlich half seine Gedanken zu ordnen. Aber mittlerweile war er kaum noch imstande irgendetwas zu ordnen. Er versuchte die Puzzlestücke miteinander zu kombinieren, aber es war entweder das Erstaunen oder der Ärger über das Verhalten seiner ehemaligen Kollegen, das ihn daran hinderte einen klaren Gedanken zu fassen. Je weiter sich das Flugzeug von Los Angeles entfernte, desto klarer wurde ihm, dass er die Sache nicht auf sich beruhen lassen konnte. Unabhängig davon, wie einleuchtend Chloes Argumente ihm noch vor wenigen Stunden erschienen sein mochten, sein Instinkt sich einzumischen war, nach den wenigen unklaren Hinweisen, die er hatte aufspüren können, nur noch stärker geworden. Und im Zweifelsfall würde er immer seinem Instinkt vertrauen, und die Vernunft beiseite lassen. Das hatte er schon mehrfach schmerzhaft erfahren müssen, und daran würde sich aller Wahrscheinlichkeit auch nie etwas ändern.

* * *

Der Mond spiegelte sich in der kristallenen Fensterwand des Bürogebäudes, sein silbernes Licht verschmolz mit dem gelben Schein der Straßenlaternen, die einem geübten Agenten noch genügend Schatten übrig ließen, um ungesehen jeden gewünschten Ort erreichen zu können. Chase sah keinen rationalen Grund, warum er seine Ankunft verbergen sollte, aber nun, da er sich für diesen Alleingang entschieden hatte, war er entschlossen jede Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen. Die Spur hatte hier begonnen, also würde er sie auch von hier aus wieder aufnehmen.
Seine Schwester hatte ihm lediglich einen traurigen Blick zugeworfen, nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass er noch einmal fort musste. Es war nicht schwer zu erraten, dass Colin sie
ebenfalls mit Angela über den Tag allein gelassen hatte, zumindest ließen das liebevoll und aufwendig zubereitete Abendessen zusammen mit ihren spärlichen Andeutungen diesen Schluss zu. Es gelang ihm sein nagendes schlechtes Gewissen beiseite zu schieben, indem er sich vornahm seine Unhöflichkeit durch besonders viel Liebenswürdigkeit und Fürsorge wieder gut zu machen, sobald er nur wissen würde, worin der eigentliche Grund für sein Unbehagen bestand.

* * *

Ein einzelner, heller Stern blitzte am Nachthimmel auf, als Chase das Gebäude über die Feuerleiter betrat. In seinem Unterbewusstsein notierte er, wie ungewöhnlich es war, trotz der Großstadtlichter einen Stern erkennen zu können, und dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Raumstation, oder etwas Vergleichbares handeln musste, während er gleichzeitig konzentriert sämtliche Sicherheitsschranken umging und sich schließlich geschickt Einlass verschaffte. Sein Ziel war der Zentralrechner, nicht nur, weil er sich von hier aus am ehesten Aufschluss zu erhalten versprach, sondern auch, weil er wusste, dass dieser Bereich, bis auf wenige Ausnahmefälle, nachts verschlossen blieb. Dennoch näherte er sich mit äußerster Vorsicht seinem Ziel, ein Umstand, der sich bezahlt machte, als mit einem Mal entfernte Stimmen an sein Ohr drangen.

Sein Herz raste, als er sich umsichtig vorwärts bewegte. Sein Agententraining übernahm automatisch die Kontrolle. Ausgefeilte Technik und die Kenntnis des Gebäudes, die er sich bereits vor seinem Arbeitsantritt angeeignet hatte, erleichterten es ihm geräuschlos von Nische zu Nische zu huschen, um sich den beiden Gestalten zu nähern, deren Stimmen ihm von Schritt zu Schritt vertrauter erschienen. Sein Erstaunen wuchs, als er die eine Stimme unzweifelhaft als die seines Schwagers erkannte. Bis zu diesem Augenblick wäre es ihm lächerlich erschienen, dass Colin Kontakte zum Geheimdienst unterhalten könnte, nicht nach den unschuldigen Bemerkungen, die er bei jeder Gelegenheit hatte fallen lassen, und der offensichtlichen Naivität, mit der er sich Chases Tätigkeit gegenüber gezeigt hatte. Doch sein Erstaunen wuchs noch, als er endlich in Colins Gesprächspartner den Kollegen erkannte, dem er bis jetzt, nach Jack, die meiste Achtung entgegengebracht hatte, den Leiter des Außenteams, Charles Taylor.

“Was soll das bedeuten?”
Chases erstarrte, als sein Schwager unvermittelt die Stimme erhob. “Soll das vielleicht ein schlechter Witz sein?”
Er senkte die Lautstärke wieder, doch zischte seinem Gegenüber ununterbrochen wütende Bemerkungen ins Gesicht. Der heimliche Zuhörer im Dunkeln versuchte sich noch ein Stück zu nähern, um wenigstens einem Teil der Unterhaltung folgen zu können.
“Der Gentleman wird nicht sehr erfreut sein über so viel Inkompetenz. Du weißt, wie schnell diese Leute bereit sind Konsequenzen zu ziehen.“
Colin schüttelte ärgerlich seinen Kopf. “Wir können froh sein, wenn wir nur gefeuert werden. Und ich dachte, du hättest an jedem Knotenpunkt ausreichend Leute eingesetzt, das kann doch nicht so schwer sein.”
“Das hab ich auch! Er war einfach zu schnell. Sie hatten keine Chance. Und hör endlich auf mit diesen Codenamen, das ist einfach nur lächerlich!”
“Hey!” Colin packte Charles unbeherrscht am Kragen und schüttelte ihn. Chase hielt die Luft an. Er hatte ihn noch nie so unbeherrscht gesehen. Der Anblick ließ ihn den Atem anhalten, und er konnte nicht umhin sich vorzustellen, wie Colin mit Charlotte umzugehen imstande wäre, wenn er problemlos einem trainierten Profi das Gleichgewicht rauben konnte.
“Was für eine Tarnung auch immer sich diese hohen Tiere aus dem Weißen Haus einfallen lassen, selbst wenn sie sich Micky Maus nennen wollen, es ist nicht an uns, ihre Anweisungen in Frage zu stellen. Du müsstest eigentlich besser wissen als ich, dass derart heikle Missionen noch nicht einmal die Andeutung einer Schwachstelle dulden dürfen.”
Charles löste sich keuchend und hob die Hände in Abwehr. “Ist schon gut, komm wieder runter. Wir sind doch alle frustriert. Der Kerl ist wie ein Gespenst, sobald wir ihn aufgespürt haben, verschwindet er, ohne eine Spur zu hinterlassen. Meine Männer glauben mittlerweile, dass er einfach zu gut für uns ist, ganz zu schweigen von den Geschichten, die im Umlauf sind.”
Colin bemühte sich seinen Zorn unter Kontrolle zu halten.
“Man sollte nicht glauben, dass erwachsene, erfahrene und auf Sondereinsätze spezialisierte Agenten sich wiederholt von einem einzelnen Mann austricksen lassen.”
Er holte tief Luft. “Aber das wird jetzt endgültig ein Ende haben. Noch einmal wird uns Jack Bauer nicht durch die Lappen gehen. Dafür werde ich sorgen.”

Unhörbar schnappte Chase nach Luft und glitt katzenartig zu Boden, da er für einen Augenblick befürchtete, seine Beine könnten unter ihm nachgeben. Die vage Befürchtung entpuppte sich als bei weitem nicht so schlimm, wie die tatsächliche Konfrontation mit Tatsachen, die alle bisherigen Vermutungen schlichtweg überboten. Seine Gedanken überschlugen sich, und er musste alle Selbstbeherrschung aufbieten, um nicht aus seinem Versteck zu stürmen und seinen Zorn an den beiden Männern auszulassen. Für einen Moment spielte er ernsthaft mit diesem Gedanken, doch die eben verklungenen Worte ließen ihm keine andere Wahl, als sein weiteres Vorgehen mit Bedacht zu planen. Er konnte nicht glauben, was ihm da zu Ohren gekommen war, unmöglich, dass Colins Verbindungen sich so weit nach oben erstrecken sollten.
Chase konzentrierte sich auf seinen Atem, so wie er es während seiner Ausbildung gelernt hatte.
Die beiden Männer dämpften ihre Stimmen, aber wandten sich gleichzeitig in seine Richtung. Chase duckte sich noch tiefer in den Schatten, um dort bewegungslos zu verharren.
“Was machen wir nun? Er erwartet Ergebnisse, und zwar besser gestern als heute.”
Colin bedachte Charles mit einem verächtlichen Blick.
“Gut erkannt. Wir agieren so wie immer, indem wir bluffen. Wenn ich ihn nachher treffe, melde ich, dass alles nach Plan verläuft. Und dann haben wir momentan nur noch eine Möglichkeit unseren guten Ruf zu retten.”
Raschen Schrittes bewegten sich beide an Chases Versteck vorbei und steuerten das Ende des Ganges an. An der Treppe trennten sie sich und entschwanden aus seinem Gesichtsfeld. Aufmerksam lauschte er, bis auch die letzten Geräusche verstummt waren, nur um dann in die entgegengesetzte Richtung zu eilen. Den Zentralrechner ließ er links liegen, schlüpfte statt dessen in eine Abstellkammer, deren Fenster, wie er wusste, direkt über dem Parkplatz lag. Schwaches Licht vereinzelter Straßenlaternen erhellte den leergefegten Platz. Chase studierte aufmerksam die Umgebung, und tatsächlich, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit entfernt, halb verborgen von einer Hecke, die eine Ansammlung Müllcontainer ansehnlicher machen sollte, entdeckte er einen der beiden unauffälligen Wagen seines Schwagers. Er konnte nicht verhindern, dass ihm ein wütendes Zischen entkam, und biss sich ärgerlich auf die Zunge. Momentan schienen ihm nicht viele Alternativen übrig zu bleiben, und wenn er etwas erreichen wollte, würde er zwangsläufig ein Risiko eingehen müssen.
Er zog sein Handy hervor und wählte eine Nummer. Eine verschlafene Stimme meldete sich. “Driscoll?”
“Erin, Chase Edmunds hier, ich brauche Ihre Hilfe.”
Erin war auf einen Schlag hell wach. “Worum geht́s,” kam sie direkt zur Sache. Chase schilderte in knappen Worten, was er erfahren hatte und konnte förmlich vor sich sehen, wie ihre Augen größer wurden.
“Was reden Sie da für einen Unsinn? Sind Sie betrunken oder nur verrückt?”
“Hören Sie zu, Erin, es ist nicht nötig, dass Sie mir glauben, ich möchte Sie nur um eine einzige Sache bitten.” Bevor sie etwas entgegnen konnte, fuhr er fort. “Ich werde versuchen die Mistkerle festzunageln, oder zumindest ihren Kontakt ausmachen, aber ich mache mir Sorgen um Angela und meine Schwester. Für Sie wäre es ein Leichtes, den beiden ein Sicherheitsteam vorbei zu schicken, das sie so weit wie möglich von meinem Schwager entfernt.”
Er senkte die Stimme, hauchte beinahe: “Bitte Erin, morgen können Sie mich in Stücke reißen, aber sehen sie heute nach meiner Familie.”
Erin schluckte. “Also gut. Verstehe wer will, aber ich schicke ihnen jemanden.”
“Und, bitte... ”. Sie unterbrach ihn abrupt. “Für wie schwer von Begriff halten Sie mich, natürlich wird es ein Team von außerhalb sein. Ich habe private Kontakte.”
“Danke Erin.” Chase war sich nicht bewusst, wie viel Wärme in seiner Stimme mitklang. Seine Gedanken waren bereits auf dem Teil der Straße, den er ununterbrochen beobachtete.
Nachdenklich legte Erin den Hörer auf. Sie überlegte einen Augenblick, hob ihn dann wieder von der Gabel, und wählte ihrerseits einen vertrauten Anschluss an.

* * *

Ein Windstoß erfasste ihn unvermutet, vereinzelte Wassertropfen trafen sein Gesicht, als er die Außentür hinter sich schloss. Er nutzte den Schatten des Gebäudes, während er sich seinem anvisierten Ziel näherte. Verborgen durch die Deckung, die Stephen für sein Fortbewegungsmittel gewählt hatte, platzierte er in Sekundenschnelle einen Sender am Fahrwerk und zog sich sofort wieder zurück. Der feine Regen überzog die Straße mit Feuchtigkeit, die in der Dunkelheit glitzerte, als Chase lautlos auf seinen Gummisohlen den Weg zu seinem eigenen Auto einschlug, das er wenige Blocks weiter geparkt hatte. Um diese Zeit wirkte der Stadtteil wie ausgestorben, kein Laut, mit Ausnahme des sanften Plätscherns der Wassertropfen, durchdrang die Stille. Chase öffnete die Wagentür und erstarrte in der Bewegung. Ein leise surrender Ton, der ihm nur zu vertraut war bewirkte eine unmittelbare Reaktion. Er wirbelte herum, und warf sich seitwärts, versuchte Schutz zu suchen, doch vergeblich. Ein stechender Schmerz im Nacken war das Letzte, das er bewusst wahrnahm, bevor ihn die Dunkelheit umfing.

* * *

Die Wunde brannte wie Feuer, ein glühendes Messer bohrte sich in seine Haut, und er wand sich, wollte danach greifen, nur um festzustellen, dass es ihm nicht möglich war.
Ein Laut entrang sich seiner Kehle, wurde erstickt durch etwas, das sich in seinem Mund befand, ihm den Atem nahm. Mit verzweifelter Anstrengung riss er die Augen auf und stöhnte, als die Bewegung das Dröhnen in seinem Kopf in einen dumpfen Schmerz verwandelte. Die Umgebung erschien unscharf, er hatte Mühe Umrisse zu erkennen, und als er versuchte aufzustehen, wurde er von Fesseln an Armen und Beinen zurückgehalten.
“Wieder unter den Lebenden?”
Es flimmerte vor seinen Augen, als sich ein Schatten näherte, sich an seinem Knebel zu schaffen machte. Chase keuchte und sog scharf die Luft ein, sobald seine Atemwege von dem Hindernis befreit waren.
Allmählich wurde auch seine Sicht wieder klarer, der Schatten vor ihm nahm langsam eine vertraute Gestalt an.
Seine bloßen Füße pressten sich in die Erde, während er von einem trockenen Husten geschüttelt wurde, soweit es die Stricke, die ihn fixierten und seinen Blutfluß behinderten, erlaubten.
“Du kennst das Spiel, mein Junge. Wir haben nicht vor uns hier mit Höflichkeiten oder Erklärungen aufzuhalten.”
Chase blinkte bis sein Blick klar wurde und Colins hämisches Grinsen ihm wie eine Beleidigung entgegen stierte. Schweigend verfluchte er seine Unvorsichtigkeit. Seine Augäpfel bewegten sich hastig von links nach rechts, in dem Versuch so viel als irgend möglich von seiner Umgebung wahrzunehmen. Auch ohne sie erkennen zu können, spürte er die Anwesenheit schwer bewaffneter Männer, erkannte das Geräusch, das die schusssicheren Westen verursachten, wenn sich ein Kleidungsstück an ihnen rieb, oder den vertrauten Laut einer Waffe, die von einer Hand in die andere gewechselt wurde.
“Du weißt, was wir wollen, und du weißt ebenfalls, was wir imstande sind zu tun, um es zu bekommen.”
Sein Blick fiel zur Erde, und Colin fügte mit einem harten Lachen hinzu: “Richtig erkannt. Mit deinen Füßen fangen wir an, und arbeiten uns dann nach oben weiter, solange bis... .“
Er kniff die Lider zusammen und folgte mit den Augen anzüglich den Linien des schlanken Körpers. “Aber so weit wirst du es nicht kommen lassen.”

“Ich habe nicht die geringste Ahnung, was das hier bedeuten soll!”
Die Worte kratzten in seiner Lunge, die sich anfühlte, als wäre sie mit Sand überzogen, eine Nachwirkung des Betäubungsmittels, die den verzweifelten Wunsch nach einem Glas Wasser weckte.
“Natürlich nicht,” entgegnete Colin, während er einen schwarzen, schmalen Koffer in Empfang nahm, den ihm eine der Wachen reichte, und ihn auf einem niedrigen Tisch öffnete. Chase brauchte nicht hineinzusehen, um zu wissen, welche Instrumente er vorfinden würde.
Gerade in dem Moment, in dem sich Stephen suchend über den Kofferinhalt beugte, erreichte ihn ein kühler Luftzug und ließ ihn erschauern. Sein Kopf schnellte zur Seite und er erhaschte einen Blick aus der geöffneten Tür, bevor Charles sie hinter sich wieder zufallen ließ. Die Dunkelheit war unverändert, das bedeutete die Droge konnte ihn nur für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt haben, ein Verdacht, der durch die mittlerweile rasenden Kopfschmerzen untermauert wurden.
“Was soll das werden?” erkundigte sich Charles skeptisch, worauf er nur einen schiefen Blick Colins erntete.
“Was denkst du denn,” erwiderte dieser spöttisch.
Nun war es an Charles verächtlich zu schnauben. “Das meinst du nicht im Ernst! Man merkt wirklich, dass du nicht vom Fach bist.”
Rasch durchquerte er den Raum, beugte sich über Chase und riss seinen linken Ärmel hoch, so gut es die Fesseln erlaubten.
“Siehst du das?
Der Mann hat sich den Arm abhacken lassen, um seine Pflicht zu erfüllen, du glaubst doch nicht, dass er sich durch Folter dazu bringen lässt, den Mund aufzumachen. Zu der Sorte gehört er nicht, das ist ein anderes Kaliber. Also, wenn du deine Zeit verschwenden willst... “
Colin wandte sich ihm grinsend zu.
“Stimmt das Chase? Kann man dich nicht brechen? Hast du das auch von Jack Bauer gelernt?”
Er schüttelte missbilligend den Kopf.
“Trotzdem bist du noch ein großes Stück von ihm entfernt, Kleiner. Sieh mal wie mühelos wir dich geschnappt haben. Und nicht nur das. Du hast ja keine Ahnung wie lange wir dir schon auf den Fersen sind, welch fabelhafte Dienste du uns geleistet hast.”
Die Wut flackerte in Chase auf, wie eine Flamme, die durch frischen Wind hochgewirbelt wurde. Er zerrte an seinen Stricken und knurrte in dem Versuch seinen Hass zu unterdrücken.
Colin näherte sich seinem Gesicht und flüsterte ihm zu: “Ich verstehe, dass das weh tut.” Er lächelte mitleidig. “Sieh es ein! So wie dein großes Idol, wirst du nie werden können. Er führt uns seit Monaten an der Nase herum.”
Chase spürte seinen heißen Atem im Nacken, als er zischte: “Aber du kannst der sein, dem die Ehre zuteil wird, ihn aufzuspüren!”

Er wollte aufschreien, seine Seele tobte bei dem Gedanken, doch alles, was er hervorbrachte war ein heiseres ‘Niemals’!
Colin schnalzte mit der Zunge.
“Nun, wir werden sehen, ob das dein letztes Wort ist.”
Verschwörerisch neigte er den Kopf tiefer. “Ich bin mir sicher, dass dein Innerstes sich danach sehnt dem großen Jack Bauer endlich einmal zu zeigen, dass er nicht so unbesiegbar ist, wie er glaubt.”
Chase hob sein Kinn und sah ihm gerade in die Augen, sein Geist erfüllt mit Verachtung für diesen Mann. “Fuck you!”
Colin seufzte resigniert und wich zurück.
“In diesem Fall haben wir natürlich noch andere überzeugende Argumente an der Hand.” Er zog den Tisch, auf dem die blitzenden Folterinstrumente lagen näher zu sich heran, und genoss es, das beinahe unmerkliche Versteifen in dem Körper des Mannes wahrzunehmen, der ihn immer noch unverwandt anstarrte.
Er tauschte einen Blick mit Charles und hob wieder zu sprechen an.
“Nun, zum einen fehlt uns leider die Zeit... ,“ er fuhr vorsichtig mit einem Finger über den Griff eines Skalpells. “Und dann sind wir ja auch keine Barbaren.” Er grinste gemein und nickte dem anderen zu. “Nun bring sie schon, so kommen wir am schnellsten zum Ziel.”

Für einen Augenblick verlor Chase komplett die Beherrschung. Er schrie, tobte, zerrte an seinen Fesseln, als eine eisige Hand sein Herz umklammerte und ihm die Angst die Sinne rauben wollte.
Charlotte, die Hände hinter dem Rücken verschnürt, und mit verbundenen Augen, wurde ihm entgegen gestoßen, so dass sie beinahe stolperte. Ihre Haare waren zerrauft, und sie zitterte in ihrem dünnen Nachthemd. Direkt nach ihr folgte ein grobschlächtiger Mann, der ein kleines, sich offensichtlich in tiefem Schlaf befindliches Mädchen auf den Armen trug.
“Angela!” Chase brüllte, unfähig sich zurückzuhalten. “Was ist mit ihr? Was habt ihr mit ihr gemacht?”
“Chase?” Charlottes Stimme überschlug sich. “Chase, ich... ich konnte nichts tun... Chase, was ist hier los... “ Ihr Stammeln verstummte, als auch von ihrem Bruder nur noch ein ersticktes Keuchen zu vernehmen war.
“Keine Sorge, meine Lieben. Wer würde denn so einem süßen Kind etwas antun wollen? Ein wenig Hustensaft wirkt besser als jede Schlaftablette, und erspart uns eine Menge Scherereien.”
Wenn Blicke töten könnten, würde Chases Schwager, der sich offensichtlich der allerbesten Laune erfreute, eines qualvollen Todes sterben.
“Colin?” Charlotte bebte. Es zerriss ihrem Bruder das Herz, zu sehen, wie sich ihr Leben vor seinen Augen in einen Scherbenhaufen verwandelte.
Zärtlich löste ihr Mann den Knoten ihrer Augenbinde und zog sie unerträglich sanft herunter, bis sie auf ihrem Hals ruhte.
“Es tut mir leid, Goldstück, aber Auftrag ist Auftrag.”
“Du verdammter Mistkerl, ich bringe dich eigenhändig um, ich... “
“Aber, aber, Junge! Komm wieder herunter. Es existiert hier doch kein Zweifel darüber, wer am Zug ist, oder?”
Er drehte sich zu Angela, ließ seine Hand jedoch in Charlottes Nacken, und drückte plötzlich zu, so dass sie in Panik nach Luft schnappte.
“Ihr wünscht euch doch sicher, dass dieser kleine Engel morgen mit euch am Frühstückstisch sitzt.” Er fasste in Angelas dunkle Löckchen und wand sie um seine Finger, bis sie leise im Schlaf seufzte.
“Du wirst es nicht wagen... “
“Oh doch, ich werde!”
Colins Blick war eiskalt, seine Stimme hart, die Zeit der Spiele war vorbei. Von nun an würde er ernst machen.
“Deine letzte Chance! Wo ist Jack?”
Chase holte tief Luft und antwortete fest. “Ich schwöre dir bei allem, das mir heilig ist, ich weiß es wirklich nicht. Du musst mir glauben. Ich habe doch gerade erst erfahren, dass er überhaupt am Leben ist.”
Colin kicherte. “Rate warum... ! Zudem hättest du nicht perfekter reagieren können. Dein Kontakt nach L.A. hat uns auf eine Fährte gebracht, die bis dahin unter unserem Radar verlaufen war.”
Chase presste die Lippen zusammen und sah Charlotte an, die seinem Blick verständnislos, aber voller Angst und Sorge begegnete.
“Was wollt ihr dann noch von mir? Was wollt ihr von ihm?”
Colin schüttelte abschätzig den Kopf. “Das hat dich nicht zu interessieren. Nur so viel - du tust deinem Land einen Gefallen, wenn du dich auf unsere Seite schlägst.”
“Mein Land würde niemanden mit seinem entführten Kind erpressen, oder eine unschuldige Frau bedrohen.” Er biss sich auf die Zunge. Die Leute zu verärgern, würde alles nur noch schlimmer machen.
“Witzig,” ließ sich Charles aus dem Hintergrund vernehmen. “Aus dieser Perspektive erscheint es immer ungerecht. Denk daran, wenn du das nächste Mal auf der anderen Seite stehst.”
“Schluss mit den Belehrungen,” zischte Colin, der mit seiner Geduld am Ende angelangt war. “Für moralische Betrachtungen ist später noch genügend Zeit.”
Er lehnte sich drohend vor. “Leugne nicht, dass du mehr weißt, als du zugibst. Ich empfehle dir also noch einmal scharf nachzudenken, sonst... “. Er nickte knapp und zwei der Männer legten ihre Gewehre auf Charlotte an, während ein plötzlich hervorgezogenes Messer der schlafenden Angela an die Kehle gehalten wurde.”
Pure Verzweiflung drängte jeden vernünftigen Gedanken in den Hintergrund und Chase begann zusammenhanglose Wörter hervorzustoßen. “Nein, bitte... ich verspreche, ich tue alles.... alles, das nötig ist, ich schwöre es... , nur... , bitte... “.
“Das reicht nur noch nicht. Eventuell müssen wir dir demonstrieren, wie ernst wir es meinen. Vielleicht fangen wir mit dem kleinen Finger dieses süßen Lockenkopfes an.”
Er strich Angela über das Haar, worauf sie im Schlaf zusammenzuckte. “Ich bin sicher, wenn sie erst vor Schmerzen schreit, werden die Informationen aus dir heraussprudeln, wie ein Wasserfall.”
In diesem Moment erwachte Charlotte aus ihrer Lethargie.
“Du Bastard, du Unmensch, du Ungeheuer... !” Ein Schluchzen erstickte ihre Worte.
“Wage es nicht, ihr etwas anzutun! Wenn du einen Finger abschneiden willst, dann nimm meinen, mein Herz hast du schon entzwei geschnitten!”
“Wie edel von dir,” mokierte sich Colin. “Aber eigentlich kein Wunder bei jemandem, der seinem unerfüllbaren Traum nach trautem Heim mit Kindersegen so mitleiderregend fanatisch hinterher jagt.” Er sah auf sie herab mit der ganzen Verachtung, die sich seit dem Tag ihres Kennenlernens in ihm angestaut hatte, bis sie, am Boden zerstört, in sich zusammensackte. “Bitte Colin,” flehte sie. “Bitte verschone das Kind!”
Colin bückte sich zu ihr nieder, hob ihr Kinn mit zwei Fingern empor und zwang sie seinen Blick zu ertragen.
“Das würde dir wohl gefallen!” In einer einzigen fließenden Bewegung ließ er sie los, wandte ihr den Rücken zu, und versetzte Chase einen schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein, als wollte er ihn wieder zur Besinnung bringen.
“Ende der Schonzeit,” bellte er. “Die Kleine verliert erst ihren Finger, und dann ihr Leben! Calvin... !”
Der finstere Mann senkte sein Messer, bis es sich in Höhe der kleinen Hand befand, die ihren gelben Stoffhasen umklammert hielt.
Chase glaubte den Verstand zu verlieren. Er zerrte in Panik an den Stricken, die sich in sein Fleisch bohrten, er war blind vor Tränen, flehte erbärmlich, schwor jeden Schwur, der ihm in den Sinn kam und wusste doch mit glasklarer Sicherheit, dass es zu diesem Zeitpunkt für Colin unvermeidlich sein würde, ein Zeichen zu setzen.
Mit jeder Faser seines Herzens sehnte er sich danach das kleine Mädchen, das nur wenige Schritte von ihm entfernt war, in die Arme zu nehmen, zu halten und niemals wieder los zu lassen.
Und dann... .
War es das unerträgliche Gefühl der Ohnmacht, das ihn halluzinieren ließ, oder gaukelte ihm seine Phantasie Bilder vor, die er sich unbewusst herbeisehnte?
Der Mann, der Angela in den Armen hielt, verzog mit einem Mal sein Gesicht in einen Ausdruck der Verblüffung. Das Messer entglitt ihm, und Chase schrie auf, als er in die Knie sackte, das Kind immer noch sicher in seinen Armen. Die Luft war von einem Augenblick zum anderen erfüllt mit ohrenbetäubenden Geräuschen, von denen Chase kein einziges wahrnahm. Er beobachtete Uniformierte, die sich wie in Zeitlupe ihren Weg durch Türen und Fenster bahnten. Staub und Qualm wirbelte durcheinander. Es musste eine Explosion gegeben haben und dann wurde es auf einen Schlag taghell. Chase sah einige der Entführer, die ihm bisher als undeutliche Schattenwesen erschienen waren, in grellem Scheinwerferlicht zu Boden sinken, andere ließen ihre Waffen fallen, und hoben in einer resignierenden Gebärde die Hände.
Charlotte kauerte auf der Erde, Angela weinte herzzerreißend. Auf einmal spürte Chase, dass sich seine Fesseln, wie durch ein Wunder lockerten, er riss sich mit der Kraft der Verzweiflung los, kippte nach vorne, landete unsanft auf den Knien, krabbelte auf allen Vieren auf sein Kind zu, entriss es dem steifen Körper des Kidnappers, umschlang es mit beiden Armen, barg sein Gesicht in den weichen Locken und flüsterte erstickte, unverständliche Worte. “Es ist alles gut, alles ist gut. Daddy hat dich ja, Daddy ist hier... “ stammelte er atemlos.
Langsam rückte die Welt wieder in sein Bewusstsein, eine Hand, die beruhigend auf seiner Schulter lag, jemand der nun auch an seinem Beinfesseln herum nestelte, bis sie endlich gelöst waren, der Lärm, der, nachdem er doch eingesetzt hatte, schließlich nachließ, bis von ihm nur noch ein konstantes, unterschwelliges Dröhnen übrig blieb. Er nahm wahr, dass Angelas Schluchzen sich beruhigt hatte, dass sie sich in seine Arme kuschelte und sanft atmete, und er überwand sich seinen Griff nur ein wenig zu lockern und platzierte einen Kuss auf ihrer Stirn. Durch einen Tränenschleier erkannte er Charlotte, der eine Decke um die schmalen Schultern gelegt worden war, und die mit weit aufgerissenen Augen und zitternden Lippen auf ihn zu taumelte, unzureichend gestützt von einem der Fremden, die, wie er nun erkannte, in den Farben einer privaten Sicherheitsfirma gekleidet waren, genauer gesagt, in den Uniformen der Firma, für die sowohl Tony, als auch Michelle mittlerweile in Los Angeles tätig waren. Charlotte kniete sich neben ihn und Angela auf die Erde und umarmte beide mit aller Kraft, die ihr geblieben war.
Der graue Dunst begann abzuziehen, wurde vertrieben von der kalten Nachtluft, die nun ungehindert eindrang. Chase merkte, wie er fröstelte, der Händedruck auf seiner Schulter verstärkte sich, und als er aufsah, blickte er in Erin Driscolls dunkle, klare Augen.
“Mr. Edmunds, da werden Sie mir aber noch einiges zu erklären haben.”
Ihr Gesicht verlor die Strenge, als Mr. Wayans aus der Dunkelheit zu ihnen trat.
“Die Sanitäter warten bereits auf sie, Chase. Vor allem sollten sie sich und ihre kleine Familie erst einmal gründlich untersuchen lassen.” Er zwinkerte Erin zu, deren leichtes und völlig untypisches Erröten, trotz der Finsternis gut auszumachen war. “Der Bericht kann doch mit Sicherheit warten, nicht wahr, Kollegin?”
“Natürlich Mike.” Sie schluckte und fügte dann hinzu: “Ich werde dafür sorgen, dass so schnell wie möglich auch ein Kinderarzt auf dem Weg ist.”
“Danke Erin...,” Chase stockte, die Worte drohten in seiner Kehle stecken zu bleiben. “Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Was sie getan haben... , dass sie mir geglaubt haben... “.
Erin lächelte ihm zu, zum ersten Mal, seitdem er sie kennen gelernt hatte.
“Ohne ihre Geistesgegenwart, ihre Entscheidung mit ihren Hinweisen zu mir zu kommen, und ohne ihren Sender hätten wir keinerlei Anhaltspunkte gehabt. Stellen Sie ihr Licht nicht unter den Scheffel!”
Chase neigte abwehrend den Kopf. “Ich habe komplett versagt, in jeder Hinsicht. Eigentlich ist alles meine Schuld. Sie wissen ja noch nicht... “.
Ein Gedanke durchschoss ihn wie ein Blitz. “Wo ist er? Wo ist Colin, mein Schwager?”
Charlotte blickte seufzend auf, und bemühte sich dann liebevoll Angela aus seiner Umarmung zu lösen, während er sich aufrichtete und seinen Blick suchend umherschweifen ließ.
Seine Aufmerksamkeit verweilte bei den Männern, die mit Handschellen versehen und abgeführt wurden, sich offensichtlich ohne Schwierigkeiten oder Widerspruch in ihr Schicksal fügten, doch konnte er Colin unter ihnen nicht entdecken.
Erin wandte sich an Mike. “Haben wir ihn?”
Mr. Wayans schüttelte nur den Kopf und deutete auf eine Kolonne schwarzer Wägen, die sich, gefolgt von einem Transporter mit der Aufschrift ‘National Security’, ihrem Aufenthaltsort näherte. Etwas unsicher auf den Beinen folgte Chase seinen beiden Vorgesetzten ins Freie, seinen Arm leicht um Charlotte gelegt, die mittlerweile wieder festen Schrittes und erhobenen Hauptes gewillt war, ihre Nichte an die frische Luft zu bringen.
Die Fahrzeuge hielten mit quietschenden Bremsen. Noch bevor sie vollständig zum Stehen gekommen waren, stiegen unverkennbare Agenten, in schwarzen gepflegten Anzügen, mit verräterischen Ausbuchtungen an den Stellen, an denen in der Regel eher unauffällig ihre Waffen untergebracht waren, eilig aus. Sie liefen zielsicher auf die Festgenommenen zu und verwickelten den Leiter des privaten Sicherheitsteams in ein nicht unbedingt freundliches Gespräch, in dessen Verlauf mehrere Schriftstücke vor ihm ausgebreitet wurden.
“Das ist doch nicht, was ich denke?” Erin sah hilfesuchend zu Mike auf, der müde mit den Schultern zuckte. “Das ist doch nicht möglich,” brauste sie auf. “Hier ist fraglos der Tatbestand einer Entführung mit krimineller Absicht gegeben, abgesehen davon, dass ein Kind und eine unschuldige Frau involviert sind.”
Mike strich ihr zärtlich über die Wange, eine Geste, die, trotz allem, bei Chase ein Hochziehen der Augenbrauen bewirkte, als er sie aus den Augenwinkeln wahrnahm.
“Ich habe dir doch gesagt, dass die Fäden sich weiter nach oben spinnen lassen, als du und ich uns vorstellen wollen.”
“Was soll das heißen?” Bemerkungen, die Colin zuvor hatte fallen lassen, sanken in Chases Bewusstsein ein und verwandelten sich in Erstaunen, in Unglauben, und schließlich in blanke Wut. “Ich verstehe das nicht,” presste er drohend hervor.
Mike richtete sich auf und sah ihm fest in seine Augen, in denen der Zorn aufloderte.
“Hör mir gut zu, Chase. Ich werde das nur einmal sagen, und du wirst keine andere Möglichkeit haben, als die Tatsachen zu akzeptieren. Die Sache ist gerade noch einmal gut für dich ausgegangen, aber wir wissen alle, dass das nicht die Regel sein muss.”
Er atmete schwer aus, versuchte seine Selbstbeherrschung zu bewahren. “Diese Leute... ,” er zögerte. “Dein Schwager ist geschützt, seine Verbindungen reichen in eine Sphäre hinein, die ihn unantastbar macht, zumindest für uns. Was seine Auftraggeber mit ihm machen, wenn er sie brüskiert, was hier fraglos der Fall gewesen ist, das ist eine ganz andere Frage. Ich vermute sehr stark, dass wir ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen werden. Was seine Leute angeht... ,“ er deutete auf die Männer, die dabei waren, gehorsam den Transporter zu besteigen. “Sie werden der Form halber für eine Nacht in Gewahrsam bleiben, aber man wird keine Maßnahmen gegen sie anstrengen.”
Chase öffnete und schloss fassungslos den Mund. “Angela... ,” brachte er hervor.
Mike legte ihm schwer die Hände auf die Schultern, seine Stimme wurde leiser.
“Wir sind hier in Washington, dem Sitz der Regierung, Zentrum des Landes. Doch die Macht liegt auf einer anderen Ebene. Es sind Schattenmänner, Gestalten aus Wirtschaft und Politik, die die Geschicke unserer Nation steuern, perfekt verborgen im Hintergrund, lassen sie die Puppen nach ihrem Geschmack tanzen, unerreichbar sogar für diejenigen, die in ihrem Auftrag handeln.”
“Ich kann nicht... “.
“Glaub es mir, Junge. Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht. Der einzige Weg Chaos und Anarchie zu vermeiden, liegt darin diese Tatsache zu akzeptieren und sie nicht in Frage zu stellen oder sich dagegen aufzulehnen. Manche Dinge lassen ihren Sinn nur im großen Zusammenhang erkennen. Und dann... ,” er blickte an Chase vorbei. “Für die eigene Sicherheit, und vor allem anderen, für die derer, die wir lieben, bleibt uns nichts anderes übrig, als loszulassen.”
Chase wandte sich um, folgte seinem Blick, bis er an einer bekannten Gestalt im Schatten hängen blieb. Ein Laut entrang sich seiner Kehle, und er warf sich nach vorne, nur um von kräftigen Armen zurück gehalten zu werden.
“Für die Sicherheit derer, die wir lieben,” wiederholte Mike und drehte ihn zur Seite, bis sein Blick auf Angela fiel, die immer noch von Charlotte gehalten wurde, von seiner Schwester, die ihn mit großen Augen anstarrte.
Chase biss die Zähne zusammen, nickte Mike zu um ihm zu signalisieren, dass er ruhig bleiben würde, während sein hasserfüllter Blick dem Mann folgte, der unauffällig in den vordersten der Regierungswägen einstieg und die Tür mit einem knallenden Geräusch, das Endgültigkeit verhieß, schloss.
Erst jetzt machte er sich mit einem Ruck von Mike los, würdigte weder ihn, noch Erin eines Blickes und eilte auf seine Familie zu, umschlang die beiden, bedeckte sie abwechselnd mit Küssen und wisperte: “Niemals, niemals werden wir so leben. Niemals, solange ich es verhindern kann.” Und Angela legte die Arme um seinen Hals, und ihre Tränen trockneten, als sie ihr kleines Gesicht an seine Schulter schmiegte.

* * *

Zwei Tage später rollte ein schwer beladenes Auto gemächlich durch eine karge Landschaft. Fahrtwind zerzauste zwei dunkle und einen rotbraunen Haarschopf, sorgte dafür, dass die Hitze erträglich blieb, die Stunde für Stunde gnadenloser und erdrückender über der trockenen Erde flimmerte, je weiter sie sich in Richtung Äquator bewegten.
Die Mittagssonne glühte inmitten eines wolkenlosen Himmels, ein riesiger Feuerball, der das Land, das sie durchquerten, verbrannt zurückließ, eine trostlose Steppe, die vibrierte, bis sie in der Ferne den Eindruck erweckte zu verdampfen. Eine Staubwolke folgte ihnen beharrlich, verwischte die Konturen an denen sie vorbeizogen, so dass ein Blick zurück, einem Blick durch eine graugelbe Wolke glich.
Und doch umspielte ein Lächeln Chases Mundwinkel, glitzerten seine Augen, wenn er den Kopf wand und den beiden Gestalten zuzwinkerte, die, eingepfercht zwischen zahllosen Gepäckstücken, die Augen verborgen hinter großen Sonnenbrillen, zurückstrahlten.
Was die Zukunft bringen würde, wusste keiner von ihnen, aber allein, dass die Vergangenheit überwunden und endgültig hinter ihnen lag, erfüllte sie mit tiefer Gelassenheit und unaussprechlicher Ruhe. Was oder wer auch immer ihnen auf ihrem Weg begegnen würde, welches Schicksal sie auch erwartete, Chase sah ihm ohne Angst entgegen.
Die Zeiten, in denen er sich hatte belügen und betrügen lassen, während derer er zu anderen aufgesehen, und deren Meinung über ihn sein Leben hatte bestimmen lassen, war vorbei, versank Stück für Stück in den endlosen Nebeln der Vergessenheit.
Wie eine steile Insel ragte aus dem Dunst das Einzige empor, dass für ihn von Bedeutung war und immer von Bedeutung sein würde, und er wusste, dass er, um es zu beschützen, seinen eigenen Weg finden und einschlagen musste. Die Aufgabe, die sich ihm stellte, lag klar und deutlich vor ihm ausgebreitet, erstreckte sich, wie sein Leben grenzenlos über die ausgetrocknete Erde hinweg bis zum Horizont, um dort in der Ferne mit der Unendlichkeit des Himmels zu verschmelzen.
Es fing alles gerade erst an.


Ende

Tags: 24fanfiction
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